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09.10.2021  -  Ein hauch Arktis

Passend zum Titel war das erste, als ich mich am Morgen früh aus dem Haus machte, eine eisige Atemwolke aus meinem Mund. Ein anhaltendes arktisches Tief befindet sich aktuell über der Schweiz und die frostigen Temperaturen sind deutlich spürbar. Aber das sollte mich nicht abhalten, denn da ich momentan im Aufnahmeverfahren an der Kunsthochschule bin, komme ich im Moment nur selten aus dem Haus. Doch dieses Wochenende brauchte ich mal ein bisschen Abstand vom ewigen Arbeiten und wollte mal wieder in der Natur etwas abschalten. So ging ich am Samstag ins Nachbars Dorf und suchte dort mal schnell den Bootshafen ab. Eine Eiderente, die letzte welche früher zu einem Trupp gehört hat welcher im Reussdelta anzutreffen war, war schnell gefunden. Diese grösste Europäische Ente dürfte die Kälte gut überstehen. Eiderenten haben die feinsten Daunenfedern von den Enten, welche auch für teure Daunenkissen sehr beliebt sind. Nach diesem Start fotografierte ich noch etwas die zahlreichen Sturmmöwen und konnte dabei noch zwei Steppenmöwen entdecken. 

 

Am Sonntag Morgen ging es dann schon in aller frühe um 05:00 aus dem Bett und die kälte war noch deutlicher Spürbar. Wieder war es eine arktische Ente die mich aus dem Haus lockte. Jedoch etwas weiter weg als Gestern. Am Genfersee überwintert bereits zum zweiten Mal in Folge ein Eisenten Männchen. Eisenten habe ich zwar sowohl in der Arktis als auch in der Schweiz schon öfters gesehen, das spezielle an dieser ist jedoch das sie komplett im Prachtkleid ist. Ein solcher Anblick ist extrem selten in diesem Land, da sie sich in der Regel im Jugendkleid oder in der Mauser befinden. Denn Eisenten sind sich fast immer am Mausern, denn sie wechseln im Gegensatz zu vielen andern Vögel ihr komplettes Gefieder dreimal im Jahr. Nach drei Stunden fahrt kam ich im Hafen von Lausanne an und das Model unter den Enten war schnell gefunden. Extrem lange Spiessfedern am Schwanz, Schmuckfedern an den Flügeln und die elegante Gestalt liessen die kälte Schnell vergessen. Sie war zwar fast permanent am Schlafen doch nach etwa einer Stunde hatte ich trotzdem einige Bilder auf der Karte und als die Eisente dann wegen eines Bootes abflog und in einem Teil des Hafens landete welcher im starken Gegenlicht war machte ich mich auf den Rückweg. 

Während der Heimfahrt bei klarem Wetter und Sonnenschein entschloss ich mich noch ein kleiner Stopp in Ruswil bei Luzern zu machen, bevor ich mich wieder an die Arbeit setzte. Dort hatte sich nämlich auch noch ein arktischer Gast auf einem Bauernhof breit gemacht. Eine Schneeammer. Schneeammern sind sehr selten in der Schweiz anzutreffen und es ist die erste die ich hier zu Gesicht bekam. Sie haben mich zwar auf meiner Reise nach Spitzbergen begleitet, aber das liess meine Freude an dem hübschen Daunenkügelchen nicht abdumpfen. Auf nur wenige Meter präsentierte sie sich im schönsten Licht und brachte so dem Tag den perfekten Abschluss.

Mit ihrem Kontrastreichen Gefieder und der eher seltsamen Kopfgeometrie ist die Eiderente unverwechselbar.

Prächtiger Eisentenerpel beim streching nach einer langen Schlafpause...

Passend zu ihrem Namen präsentiert sich die Schneeammer wunderschön im Abendlicht in ihrem Element.



01.01.2021  -  Jahresbeginn am Bodensee

Wolken prägen den Himmel, ein dichtes grau verleiht dem mächtigen Bodensee eine mystische Stimmung. Ich begebe mich Richtung Steinacher Bucht in Arbon. Über mir fliegt ein Prachttaucher eine Runde entlang des Ufers allerdings ist meine Kamera noch im Rucksack. Viele Möwen sind innerhalb der letzten Woche eingeflogen. Die meisten sind Steppenmöwen, welche bis vor einigen Jahren noch nicht mal als eigene Art beschrieben waren. Ein paar Mittelmeermöwen, viele Sturmmöwen, ein in einem Schwarzhalstauchertrupp versteckter Ohrentaucher sowie drei Singschwäne waren schöne Neujahresbeobachtungen. Etwas weiter Weg an der Mündung der Steinach, konnte ich weit draussen auf dem See noch eine Silbermöwe entdecken. Zwei elegante Höckerschwäne präsentierten ihr reines Gefieder mit grossem stolz wunderschön und vom grössten zum kleinsten Wasservogel waren auch hübsche kleine Krickenten unterwegs. Auf der Schlickbank folgte das Highlight. Ein Austernfischer. Dieser war extrem zutraulich und marschierte in einem stolz immer wieder mehrere Meter an mir vorbei. Solche Beobachtungen zeigen warum es sich auch in der grössten Kälte lohnt nach draussen zu gehen. Die Kälte ist dann schnell vergessen und ich merkte auch erst als ich von meiner liegenden Position auf der Schlickbank aufstand, dass ja mein ganzes Bein im nassen Sand gelegen war. So schnell kann die Kälte dann auch wieder zurück kommen...  Aber dank einigen verspäteten Silvesterraketen machte sich der Austernfischer aus dem Staub und so ich mich auf den Weg in die warme Stube, wo sich der Abend nach einem solch schönen Tag dick eingekuschelt und mit einem guten Film gleich noch besser ausklingen lässt.

Das dieser Höckerschwan das Sinnbild für Eleganz ist scheint er zu wissen.

Invasive Muscheln welche im Bodensee massiv vorkommen bilden die Nahrungsgrundlage um dem Austernfischer das überwintern in der Schweiz zu ermöglichen.