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25.03.2020 -  Statement zum Coronavirus

Die Lage mit dem Virus ist innert kürzester Zeit total eskaliert. Die Massnahmen welche vom Bund kommen sind sehr streng, allerdings sollte man bedenken, das diese nicht einfach so beschlossen wurden. Nein, der Bund trägt einen grossen Schaden davon, all die Entschädigungen etc. bleiben in Bern hängen. Also finde ich es ist es das mindeste das man tun kann sich an diese Massnahmen zu halten. Man wird zuhause sehr kreativ, wenn man einen Garten hat kann man Beobachten wie viele verschiedene Vogelarten auftauchen oder man kann auch mal in seiner Region alleine auf die pirsch gehen. Denn oft (bei mir ist es zumindest so) ist man in der ganzen Schweiz in allen Naturschutzgebieten unterwegs, doch was eigentlich vor der Haustür passiert kannte ich selbst nicht besonders gut. Da ich weder einen Garten habe, noch momentan aus dem Haus gehe habe ich eine weitere Beschäftigung gefunden. Fotos welche ich bisher nur in den Gedanken machen konnte aufs Papier zu bringen. Ebenfalls eine kreative Möglichkeit den einsamen Stunden zuhause zu trotzen. 

Hoffe ich konnte euch hiermit vielleicht zu etwas Kreativität für diese Wochen bewegen und bleibt alle Gesund! 

Mauerläufer Männchen füttert ein Jungvogel - für einmal kein Foto sondern eine Bleistift Zeichnung



14.03.2020  -  Ein Abend in der Geisterstadt

Um denn Coronavirus kommt man wohl nirgends mehr herum. Vergangene Woche wurde im Tessin der Notstand ausgelöst. Deswegen würden mich wohl einige als total verrückt bezeichnen wenn man hört das ich genau dorthin fuhr am Samstag. Aber in Angst leben ist für mich keine Alternative und die letzten Amphibienarten, welche ich noch nicht fotografiert habe leben nun mal ganz im Süden des Tessins. Die Zugfahrt war dafür Angenehm, die sonst so überfüllten Züge waren leer. Auch die viel befahrenen Strassen, die zahlreichen Menschenmengen in den Tessiner Städten, alles leer. Lediglich ein paar wenige Menschen mit Schutzmasken, welche einen grossen Bogen um mich machten, als wäre ich die Seuche höchst persönlich, traf ich an. 

Natürlich ist mir auch nicht ganz wohl dabei. Aber da ich ganz alleine Unterwegs bin, die Hygienen Regeln befolge und mich nur für wenige Stunden abseits der Zivilisation in einem Wald aufhalte, finde ich ist mein Vorhaben vertretbar.

Doch zurück zum Fotoprojekt. Knapp innerhalb der Schweizer Grenze lebt im Tessin ein Frosch der in Europa aufgrund eines extrem kleinen Verbreitungsgebietes äusserst selten ist. Der Italienische Springfrosch. Bereits Anfang März war ich in der Umgebung von Stabio und habe ihn erfolglos gesucht. Doch ein Kollege hatte letzte Woche einen gefunden und angeblich war nun auch viel Laich in den Gewässern. Also wiederholte ich das vorhaben. In der Dämmerung suchte ich zuerst jedoch noch nach den dort eingewanderten Florida-Waldkaninchen. Diese wurden in Italien vor Jahren ausgesetzt, bildeten eine selbst Erhaltende Population und wanderten bis in die Südschweiz ein. Ich wurde schnell Fündig, auch wenn die guten Bilder leider ausblieben. Doch auf dem Weg hatte ich in einem Graben der etwa 10 cm hohes Wasser führte Laich und einen Frosch, der sich sofort vergrub gesehen. Als es dann Nacht wurde und ich wieder zu diesem Graben zurück kehrte hörte man schon von weitem die Springfrösche. Allerdings waren es keine Italienische sonder normale. Diese sind zwar in der Schweiz auch selten, aber in dieser Region die dominierende Braunfroschart. Nebenbei war der Graben voller Alpenkammmölche. Ich zählte etwa 80 Alpenkammölche und 30 Springfrösche. Da der Italienische Springfrosch lieber in Gewässern mit fliessendem Wasser lebt, blickte ich bevor ich ging in das Becken auf der anderen Strassenseite, welches von einem winzigen Bachrinsel  gespiesen wird. Erst sah ich nichts, doch dann hörte ich ein feines Miauen. Unter den Amphibien gibt es nur ein Frosch der Miaut. Der Italienische Springfrosch. Plötzlich entdeckte ich ihn im Wasser. Direkt neben seinem Laichballen. Und nach kurzer Zeit konnte ich 2 weitere finden. Somit war der Abstecher ins Tessin ein grosser Erfolg! Und damit keine Fragen offen bleiben - Mit Corona hatte ich mich nicht angesteckt ;)

 

Das typisch angerichtete Traubenförmige Laich an den Ästen verrät die Anwesenheit von Italienischen Springfröschen auch am Tag.

Perfekt angepasst ans Leben im Laubwald - Der Italienische Springfrosch.

Ein ''normaler'' Springfrosch. Besonders die langen beine sind sehr auffällig.



07.03.2020  -  Ein weiterer Erstnachweis!

Erstnachweise in der Schweiz sind äusserst selten. Kein Wunder bei über 430 Vogelarten welche bereits nachgewiesen wurden. Anfang März war es wieder so weit. Eine Orientturteltaube liess sich am Sonntag, 01.03 im Thurgau nieder. Normalerweise würde ich bei solch einer Meldung sofort auf den Weg machen, doch an diesem Tag war es mir mal wichtiger zu einem Hockeymatch zu gehen. Ich rechnete eigentlich nicht mehr damit sie zu Gesicht zu kriegen, denn die Woche verbrachte ich im Dienste des Landes ;) Doch das Glück war auf meiner Seite, als ich am Samstag Morgen zuhause ankam, nahm ich sofort die Kamera und machte mich auf den Weg nach Sulgen, ein kleines Dorf zwischen Romanshorn und Weinfelden. Doch als ich ankam war die Taube weg. Langsam bekam ich das Gefühl sie doch nicht zu sehen. Denn da ich am Abend noch etwas wichtiges vorhatte, musste ich kurz nach 13:00 Uhr wieder auf den Rückweg. Um 12:20 konnte ich dann aufatmen. Die Taube war wieder an ihrem Stammplatz. Ich hätte wirklich nicht mehr damit gerechnet, besonders nicht da ich eine Katze sah die mit einem grossen Vogel in der Schnauze in die Büsche verschwand.. Die Orientturteltaube hatte aber diesmal Glück! Nach kurzer Foto Session machte ich mich dann wieder auf den Rückweg. 

Am Sonntag war dann Schlaf nachholen von den kurzen Militärnächten angesagt. Doch irgendwie war ich noch vor 10:00 Uhr schon wieder auf und als ich das sonnige Wetter sah war mir schnell klar, dass es wohl nichts wird mit ausruhen. Ich entschied mich nach Rapperswil zu gehen, um die dort überwinternde Schwarzkopfmöwe zu fotografieren. Das erste was ich Mittags in Rapperswil zu Gesicht bekam war seltsamerweise eine Fledermaus. Sie verschwand zwar relativ schnell wieder aber ich konnte einige Belegfotos machen, auf denen zu sehen war das es eine Rauhautfledermaus ist. Zudem hatte sie ein Loch in der Flughaut. Vermutlich wurde sie irgendwie aufgescheucht und verletzte sich dabei. Beim Badhüsli wartete ich auf die Schwarzkopfmöwe. Ein Moorenten Pärchen, welche sich sehr fotogen zeigten, verkürzten die Wartezeit. Plötzlich kam dann die hübsche Möwe. Im Flug finde ich sie sehr schön denn ihr Gefieder ist im Gegensatz zu den anderen Möwen rein weiss und der schwarze Kopf und der knallrote Schnabel und Füsse verleihen ihr etwas Farbe. Deswegen versuchte ich sie auch im Flug zu fotografieren. Es dauerte sehr lange bis ich die Fotos machen konnte die ich mir bereits einmal vor skizziert hatte. Doch nach etwa 1.5 Stunden war es erledigt. So hatte ich zwar nicht meine Erholung die ich eigentlich benötigt hätte, dafür ein sehr aktives Wochenende mit vielen guten Begegnungen und Momenten.

 

Sie ähnelt der gewöhnlichen Turteltaube extrem, trotzdem konnte sie als östlicher Vertreter eindeutig als Orientturteltaube bestimmt werden.

Ob dieses Moorentenweibchen neue Passfotos braucht das es sich so schön im Portraitformat präsentiert?

Ready for takeoff - Eine Zehntelsekunde später war die Schwarzkopfmöwe in der Luft ;)



26.02.2020  -  Die Suche nach den schlafenden Kleinen Hufeisennasen

Eigentlich wollten ein Paar Kollegen und ich eine Bergtour machen und Höhlen und Bergwerke aufsuchen, um neue Überwinterungsquartiere von Kleinen Hufeisennasen zu finden. Doch ganz unerwartet brach auf einmal der Winter ein. Ich war schon unterwegs nach Bern und fragte mich langsam ob sich das ganze überhaupt Lohnt. Wir versuchten es trotzdem, doch nahmen uns nicht wie geplant fünf, sondern nur ein Bergwerk vor. Erst mussten wir uns allerdings mehrere Hundert Höhenmeter durch den schweren Neuschnee kämpfen. Dabei entdeckten wir an einer Felswand einen Mauerläufer! Für mich ist jede Beobachtung dieses Vogels ein atemberaubender Moment. Wunderschön zuckte er seine Schmetterlings ähnlichen roten Flügel an der verschneiten Felswand. Nach etwa 15min  verabschiedete er sich und wir konnten die letzten Höhenmeter fortsetzen. Dann zeigte sich endlich das gut versteckte enge Eingangsloch. Erst fanden wir wie meistens in den Höhlen einige Nachtfalter wie die Zimteule. Bald aber entdeckten wir die erste Fledermaus. Und Tatsächlich war es eine Kleine Hufeisennase! Nach etwa Zwei Stunden in dem Kohlebergwerk fanden wir noch fünf weitere. Funde wie diese sind für Fledermäuse extrem wichtig, denn besonders im Überwinterungsquartier sind Fledermäuse sehr anfällig auf Störungen und wenn man weiss wo sie sind kann man die Höhle sensibilisieren oder schützen. So konnten wir zufrieden uns auf den Abstieg durch die tief verschneite Landschaft machen. 

Überhängend am Kohlegestein geniesst die Kleine Hufeisennase ihren Winterschlaf.

Der Blick aus dem Bergwerk in die verschneite Alpenlandschaft.



19.01.2020  -  Ein Gast aus der Taiga

Aus bisher immer noch nicht bekannten Gründen gibt es in Mitteleuropa immer mehr Nachweise von Sibirischen Arten die eigentlich in Zentralasien überwinter sollten. Natürlich sind dies nur einzelne Nachweise aber trotzdem treten sie mittlerweile Jährlich auf. Beispiele Dafür sind etwa der Gelbbrauen-Laubsänger, Goldhähnchen Laubsänger oder der erst vor 4 Jahren zum ersten mal Beobachtete Tienschan-Laubsänger, der zum zweiten Mal letztes Jahr Nachgewiesen wurde und mitten in Zürich für grosses Aufsehen gesorgt hat. Mittlerweile jedes Jahr, in harten Wintern gleich öfters wird dagegen der unaufällige Taigazilpzalp Nachgewiesen. Dieses Jahr überwintert einer wieder in der Nähe der Stadt Zürich, in Dübendorf. Der unscheinbare Vogel sieht sehr ähnlich aus wie der Zilpzalb ist aber deutlich blasser und heller gefärbt. Oft schliesst er sich an kleinen Zilpzalp Trupps an. Dann fällt er durch seine helle Färbung etwas besser auf. Am eindeutigsten Identifizieren kann man ihn Anhand des Rufes. Dies brauchte extrem viel Zeit. Etwa 2 Stunden war er stumm. Doch dann ein Ruf der etwas an einen Gimpel erinnert. Überhaupt nicht wie der des Zilpzalps. Der niedliche Vogel präsentierte sich, wenn auch immer in Bewegung und voller hektik sehr schön und liess das Herz eines Tierfotografen höher schlagen. Immer wieder flog er auf und hohlte sich ein paar Insekten von der Wasseroberfläche. Es ist etwas neues das so viele Insekten fressende Arten in der Schweiz überwintern. Nicht zuletzt wohl der Klimaerwärmung zugrunde. Aber das Fressbeispiel zeigt, sie wissen sich auch an kalten Tagen zu helfen. 

Beim Rückweg entdeckte ich eine Wasseramsel. Dieser typische Schweizer Brutvogel ist das ganze Jahr an den Bächen und Flüssen zu finden. Er ist der einzige Singvogel der Fliegen, Schwimmen und Tauchen kann. Und dies zeigte sie regelmässig an diesem Nachmittag. Ein schöner Tagesabschluss.

Eine so grosse Kamera hat er in den Nadelwäldern Sibiriens wohl noch nie gesehen. Da kann man ruhig mal genau Hinschauen ;)

Im Gegensatz zum normalen Zilpzalp ist der Taigazilpzalp viel heller und grauer gefärbt.



09.01.2020  -  Nächtliches Himmelsspektakel

Der Jahresstart verlief bei mir etwas ruhiger als in den letzten Jahren. Düsteres Wetter hatte zufolge das nicht besonders viele Fotos zu Stande kamen. Zudem konzentrierte ich mich besonders auf Arten welche schwer vor die Linse zu bekommen sind und auch wenn dies zum Teil gelang war ich mit der Qualität der Bilder selten zufrieden.

Doch ein überraschendes Ereigniss will ich hier nicht vorenthalten. In der Nacht auf den Donnerstag erwachte ich aus dem Schlaf. Ich stand kurz auf, warf ein Blick aus dem Fenster und zu sehen war etwas das mir bislang völlig unbekannt war. Ein gigantischer Kreis schien wie ein Heiligenschein um den (fast) Vollmond.  Recherchen ergaben das Heiligenschein wohl das treffenste Wort ist. Denn der Lichteffekt nennt sich Halo-Erscheinung (Halo = englisch für Heiligenschein).  Für einen Moment war die Müdigkeit vergessen und ich schoss einige Fotos vom Spektakel. 

Dieses Naturschauspiel ist nicht so oft zu sehen und tritt meist unerwartet auf. Es entsteht wenn mehrere Wetterereignisse zusammentreffen. Schleierwolken sind die wichtigste Bedingung. In diesen etwa 10km über dem Boden schwebenden Wolken sind Eiskristalle welche das Licht vom Mond reflektieren. Es gibt übrigens viele verschiedene Halo Erscheinungen und sie treten eigentlich häufig auf. Jedoch werden sie nur sehr selten richtig gesehen. Bei meiner, die auch als 22° Ring bekannt ist, ist es keine seltene Erscheinung. Aber nur sehr selten kann man das Spektakel so extrem deutlich sehen. 

Imposante Mond Erscheinung über meinem Hausberg.  Vollmond mit Halo-Lichteffekt.