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19.01.2020  -  Ein Gast aus der Taiga

Aus bisher immer noch nicht bekannten Gründen gibt es in Mitteleuropa immer mehr Nachweise von Sibirischen Arten die eigentlich in Zentralasien überwinter sollten. Natürlich sind dies nur einzelne Nachweise aber trotzdem treten sie mittlerweile Jährlich auf. Beispiele Dafür sind etwa der Gelbbrauen-Laubsänger, Goldhähnchen Laubsänger oder der erst vor 4 Jahren zum ersten mal Beobachtete Tienschan-Laubsänger, der zum zweiten Mal letztes Jahr Nachgewiesen wurde und mitten in Zürich für grosses Aufsehen gesorgt hat. Mittlerweile jedes Jahr, in harten Wintern gleich öfters wird dagegen der unaufällige Taigazilpzalp Nachgewiesen. Dieses Jahr überwintert einer wieder in der Nähe der Stadt Zürich, in Dübendorf. Der unscheinbare Vogel sieht sehr ähnlich aus wie der Zilpzalb ist aber deutlich blasser und heller gefärbt. Oft schliesst er sich an kleinen Zilpzalp Trupps an. Dann fällt er durch seine helle Färbung etwas besser auf. Am eindeutigsten Identifizieren kann man ihn Anhand des Rufes. Dies brauchte extrem viel Zeit. Etwa 2 Stunden war er stumm. Doch dann ein Ruf der etwas an einen Gimpel erinnert. Überhaupt nicht wie der des Zilpzalps. Der niedliche Vogel präsentierte sich, wenn auch immer in Bewegung und voller hektik sehr schön und liess das Herz eines Tierfotografen höher schlagen. Immer wieder flog er auf und hohlte sich ein paar Insekten von der Wasseroberfläche. Es ist etwas neues das so viele Insekten fressende Arten in der Schweiz überwintern. Nicht zuletzt wohl der Klimaerwärmung zugrunde. Aber das Fressbeispiel zeigt, sie wissen sich auch an kalten Tagen zu helfen. 

Beim Rückweg entdeckte ich eine Wasseramsel. Dieser typische Schweizer Brutvogel ist das ganze Jahr an den Bächen und Flüssen zu finden. Er ist der einzige Singvogel der Fliegen, Schwimmen und Tauchen kann. Und dies zeigte sie regelmässig an diesem Nachmittag. Ein schöner Tagesabschluss.

Eine so grosse Kamera hat er in den Nadelwäldern Sibiriens wohl noch nie gesehen. Da kann man ruhig mal genau Hinschauen ;)

Im Gegensatz zum normalen Zilpzalp ist der Taigazilpzalp viel heller und grauer gefärbt.



18.01.2020  -  Die Fledermaushöhle

Wenn die kalte Jahreszeit einbricht dann verziehen sich die Fledermäuse für ihren Winterschlaf in Höhlen, wo eine konstante Temperatur herrscht und sie in aller Ruhe ihren Winterschlaf halten können. Zu dieser Zeit sind sie sehr anfällig auf Störungen und dürfen keinesfalls geweckt werden! Deswegen schlossen wir uns zu viert zusammen um die Störung auf ein Minimum zu reduzieren und gingen in eine Höhle in der Westschweiz. Leise und aufmerksam suchten wir jede spalte und jeden Hohlraum ab und suchten so die ganze Höhle ab. Besonders aufmerksam waren wir ob nicht irgendwo eine Fledermaus anfängt zu rufen. Das wäre die höchste Alarmstufe gewesen die Höhle sofort zu verlassen. Doch unser Verhalten war richtig und so lösten wir bei den niedlichen Tieren keine Störung aus.

Nur wenige duzend Meter hinder dem Eingang zeigten hing eine Mopsfledermaus. Diese ist eine der seltensten Arten in der Schweiz! Etwas weiter hinten waren noch weitere zu sehen. In einer kleinen Spalte gleich sechs zusammen! Am Schluss zählten wir 23 Mopsfledermäuse, ein riesen Highlight wenn man bedenkt wie selten die Art ist!

Nicht alle Fledermäuse hingen wie man es vielleicht erwartet ganz frei an der Decke. Die meisten ziehen sich in enge Spalten zurück und sind nur schwer zu sehen. 

Die nächste Art die wir zu Gesicht bekamen war ein (vermutlich) Braunes Langohr. Diese Fledermaus hält einen Rekord in der Tierwelt. Mit 5cm länge und 4cm langen Ohren hat sie im die längsten Ohren im verhältniss zum Körper.  Diese wirken bei Überwinternden Fledermäusen allerdings überhaupt nicht so gross, denn die Ohren werden unter die Flügelhaut geklappt.

Einige schwer zu bestimmende Arten, da sie zum Teil mit viel Kondenswasser Tropfen übersät waren und sonst schon nicht Leicht zu bestimmen sind entpuppten sich schlussendlich als Kleine Bartfledermäuse. 

Als wir zwei hängende Bartfledermäuse anschauten sahen wir weit hinten in einer spalte plötzlich eine sehr grosse Fledermaus. In der Schweiz gibt es eigentlich nur zwei Arten die in dieser Region vorkommen. Der grosse Abendsegler, dieser lebt und überwintert allerdings in Bäumen und das grosse Mausohr. Vom letzteren sind zwar an einigen Kirchen und Dachstöcken Wochenstuben (Aufzuchtsplatz der Jungen) bekannt, wo zum Teil mehrere hundert Mausohren zusammen leben, doch im Winter sieht man sie nur sehr selten im Überwinterungsgebiet. Deswegen ist dies ein sehr Wertvoller Fund und es freute uns riesig diese Art hier nachgewiesen zu haben.

Da wir die Fledermäuse nicht mehr lange Stören wollten gingen wir nach kurzer Zeit bereits wieder aus der Höhle. Noch weiter vorne, etwa 10m hinter dem Ausgang konnten wir noch die letzte Art des Tages finden. Eine Wasserfledermaus. Sie war komplett voller Wassertropfen. Auch wenn dies Aussieht als müsste sie schon lange durchgefrohren sein ist dies für die Fledermäuse kein Problem. Dank ihrem nacktem Gesicht und den grossen Füssen konnten wir sie dennoch Identifizieren. 

Zuhause bei der Auswertung der Bilder legte ich noch ein besonderes Auge auf die Bartfledermäuse. Denn es gibt eine seltene Zwilingsart, die Brandtfledermaus. Da einer aus unserer Gruppe meinte eine Bartfledermaus wäre Braun gewesen und dies vorallem Bei der Brandtfledermaus zutrifft legte ich ein besonders Auge auf die Färbung. Und tatsächlich, auf einem Bild konnte man sie im Vergleich mit den andern Bartfledermäusen gut Identifizieren. Eine sehr seltene Art und somit konnten wir die Liste auf 6 Arten ergänzen.

Es war wohl einer der besten Tage die ich bei Fledermäusen hatte und so konnte ich zufrieden die lange Heimreise angehen. 

Dieser Anblick ist leider extrem selten in der Schweiz. Ein Nest aus Mopsfledermäusen.

Komplett freihängend zeigte sich diese kleine Bartfledermaus.

Mit soviel Wassertropfen auf dem Rücken darf man nicht Wasserscheu sein. Ist sie auch nicht, denn es handelt sich um eine Wasserfledermaus.

Erst zuhause bei der Bildauswertung Bestimmt werden konnte eines der grössten Highlights des Tages. Eine Brandtfledermaus.



09.01.2020  -  Nächtliches Himmelsspektakel

Der Jahresstart verlief bei mir etwas ruhiger als in den letzten Jahren. Düsteres Wetter hatte zufolge das nicht besonders viele Fotos zu Stande kamen. Zudem konzentrierte ich mich besonders auf Arten welche schwer vor die Linse zu bekommen sind und auch wenn dies zum Teil gelang war ich mit der Qualität der Bilder selten zufrieden.

Doch ein überraschendes Ereigniss will ich hier nicht vorenthalten. In der Nacht auf den Donnerstag erwachte ich aus dem Schlaf. Ich stand kurz auf, warf ein Blick aus dem Fenster und zu sehen war etwas das mir bislang völlig unbekannt war. Ein gigantischer Kreis schien wie ein Heiligenschein um den (fast) Vollmond.  Recherchen ergaben das Heiligenschein wohl das treffenste Wort ist. Denn der Lichteffekt nennt sich Halo-Erscheinung (Halo = englisch für Heiligenschein).  Für einen Moment war die Müdigkeit vergessen und ich schoss einige Fotos vom Spektakel. 

Dieses Naturschauspiel ist nicht so oft zu sehen und tritt meist unerwartet auf. Es entsteht wenn mehrere Wetterereignisse zusammentreffen. Schleierwolken sind die wichtigste Bedingung. In diesen etwa 10km über dem Boden schwebenden Wolken sind Eiskristalle welche das Licht vom Mond reflektieren. Es gibt übrigens viele verschiedene Halo Erscheinungen und sie treten eigentlich häufig auf. Jedoch werden sie nur sehr selten richtig gesehen. Bei meiner, die auch als 22° Ring bekannt ist, ist es keine seltene Erscheinung. Aber nur sehr selten kann man das Spektakel so extrem deutlich sehen. 

Imposante Mond Erscheinung über meinem Hausberg.  Vollmond mit Halo-Lichteffekt.